Weiter zum Inhalt

Daten in Behörden demokratisieren

Behörden verfügen über riesige Datenschätze. Damit ihr voller Wert zum Tragen kommt, braucht es eine entschlossene, abgestimmte Initiative zur Datendemokratisierung innerhalb von und zwischen Behörden.
Aktualisiert 18. Sept. 2026  · 8 Min. lesen

Mit KI erkunden

ChatGPTClaudePerplexity

In einer digitalen Ära rasanter technologischer Fortschritte ist es entscheidend, dass Regierungen datenbasierte Ansätze verfolgen, um Bürgerinnen und Bürgern echten Mehrwert zu bieten und effizienter zu arbeiten. In einem aktuellen Webinar teilte Alex Scriven, Senior Data Scientist bei der Regierung von New South Wales in Sydney, Australien, seine Einblicke zur Datendemokratisierung im Behördenumfeld, inspirierende Use Cases mit positivem Impact durch Regierungsdaten sowie konkrete Best Practices für den Aufbau einer datengetriebenen Kultur in Behörden.

Was bedeutet Datendemokratisierung?

Datendemokratisierung beschreibt den Zustand, in dem alle im Unternehmen (nicht nur Datenprofis) über die Kompetenzen, das Selbstvertrauen und den Zugang verfügen, um dateninformierte Entscheidungen zu treffen. Diese Definition ist sehr allgemein, hat im Regierungsumfeld jedoch zwei spezifische Dimensionen:

  • Die Demokratisierung von Datenzugang und -kompetenzen intern bei Beschäftigten im öffentlichen Dienst (also innerhalb von und über Behörden hinweg).
  • Transparenz für Bürgerinnen und Bürger, indem Regierungsdaten für alle zugänglich gemacht werden — oft als Open Data bezeichnet.

Beide Dimensionen hängen zusammen: Eine positive Datenkultur in der Verwaltung, in der Kompetenzen und Zugang demokratisiert sind, fördert ausstrahlend auch die Idee von Open Data für die Öffentlichkeit.

Warum ist Datendemokratisierung in Behörden wichtig?

Es gibt zahlreiche Gründe, die für Datendemokratisierung in der Verwaltung sprechen. Hier sind die fünf wichtigsten:

1. Mangel an Talenten

Es ist bekannt, dass Datenexpertinnen und -experten weltweit rar sind. Quanthub berichtet, dass es dreimal so viele Stellenausschreibungen für Data Science gibt wie Suchanfragen. Besonders stark spürt dies der öffentliche Sektor. Der Bericht „State of Data Science“ von Stitch zeigt, dass nur 1,2 % der Data Scientists im Regierungsbereich arbeiten — deutlich weniger als in vielen anderen Branchen.

Das heißt: Es wird nicht genug Datenpraktiker geben, um alle Einheiten innerhalb von Behörden zu unterstützen. Die Lösung ist, Datendemokratisierung voranzutreiben und Datenkompetenzen in der breiteren, nicht-technischen Belegschaft aufzubauen, damit diese eigenständig datengetriebene Projekte initiieren und umsetzen kann — sicher und kompetent.

2. Bessere Nutzung vorhandener Talente

Angesichts des Talentmangels im öffentlichen Sektor ist es entscheidend, vorhandene Expertinnen und Experten optimal einzusetzen. Im Idealfall nutzen Datenpraktiker ihr Know-how dort, wo sie für Behörden und Bürgerinnen und Bürger den größten Wert schaffen. In Behörden ohne Datendemokratisierung werden Datentalente oft auf Dashboard-Erstellung und deskriptive Analytik festgelegt (Singapore Smart Nation & Digital Government Office).

Konzentrieren sich Behörden auf die Demokratisierung von Datenkompetenzen und -zugang, können nicht-technische Stakeholder ihre deskriptiven Analysen selbst erstellen. Der Fokus der Datenpraktiker verschiebt sich dann von deskriptiver zu prädiktiver Analytik und zu Projekten mit größerem Hebel.

Außerdem ist es wichtig, dass diese Talente nicht in die „Data-Support-Falle“ geraten, in der sie mit einer Flut ungefilterter Anfragen überlastet werden. Schafft man ein optimales Arbeitsumfeld, steigen auch die Chancen, diese begehrten Fachkräfte zu halten.

3. Tiefere Insights

Nicht-datenaffine Beschäftigte in der Verwaltung sind Fachexpertinnen und -experten in ihren Bereichen — ein riesiger Datenschatz an Domänenwissen, der nur darauf wartet, gehoben zu werden. Statt Domänenwissen mühsam an Datentalente zu übertragen, ist es oft klüger, die Datenkompetenzen der Fachexperten zu stärken, damit sie Expertise und Technik direkt verbinden können. So lassen sich mit bestehendem Domänenwissen durch datenbasierte Fragestellungen und Antworten deutlich tiefere Einsichten gewinnen.

4. Geschwindigkeitsbarrieren überwinden

Behörden werden traditionell mit langsamen Prozessen durch Bürokratie und Formalien assoziiert. In der Zusammenarbeit mit Datenpraktikern verlängern iterative Abstimmungen zwischen Datenteams und Fachexperten die Durchlaufzeiten zusätzlich.

Sind Fachexperten befähigt, können sie Daten unmittelbar selbst erkunden und Antworten auf zentrale fachliche Fragen finden — ohne ständig Datenteams einbinden zu müssen.

5. Vertrauen und Open Data

Wie erwähnt, kann Datendemokratisierung in der Verwaltung über Kompetenzen und Zugänge für Mitarbeitende hinausgehen und auch bedeuten, Regierungsdaten für Bürgerinnen und Bürger zu öffnen. Ein Open-Data-Portal bringt Vorteile für beide Seiten: Die Öffentlichkeit profitiert von mehr Transparenz, während der Staat von durch die Zivilgesellschaft angestoßener Innovation und von Zusammenarbeit zwischen Behördenebenen gewinnt.

Use Cases der Datendemokratisierung in Behörden

Die Anwendungsfälle der Datendemokratisierung in Behörden sind vielfältig. Grob lassen sie sich drei Bereichen zuordnen: schnellere Krisenreaktion, höhere operative Effizienz und stärkere Bürgerbeteiligung sowie Transparenz.

(1) Bessere Krisenreaktion

Statten Behörden ihre Teams mit dem richtigen Datenzugang und den passenden Tools aus, können sie auf große Krisen schnell und wirksam reagieren. Im Webinar stellt Alex zahlreiche Use Cases vor, einige stechen heraus. So starteten die Weltbank und Geberländer nach dem Erdbeben in Haiti 2010 eine der größten Katastrophenhilfen der Geschichte — ermöglicht durch hochwertigen Satellitenbildzugang im Rahmen offener Kartierungsinitiativen, die öffentliche Verteilung und Nutzung fördern. Das Rote Kreuz analysierte etwa Social-Media-Daten, um zu erkennen, wo Opfer Zuflucht suchen, und so die Hilfe zu optimieren (The Economist).

Auch in der Ebola-Krise in Westafrika 2014 gab es zahlreiche Open-Data-Innovationen. Flowminder nutzte zum Beispiel Mobilfunkdaten, um potenzielle Übertragungswege vorherzusagen, während die Ebola Open Data Initiative Gesundheitsbehörden ein Open-Source-Modell für Interventionssimulationen bereitstellte.

(2) Höhere operative Effizienz

Wie in jedem Unternehmen kann die skalierte Nutzung von Daten enorme Effizienzgewinne bringen — auch in Behörden. So konnte eine Verwaltung durch den gezielteren Einsatz ihrer Datentalente Machine Learning auf ihre Daten anwenden, um betrügerische Gesundheitsrechnungen von Staatsbediensteten automatisch zu erkennen und so Steuergelder zu sparen.

Die britische Regierung sparte 1,24 Milliarden £, indem sie mithilfe deskriptiver Analytik Ausgaben für Technologieanbieter analysierte und überteuerte Beschaffungen vermied. In den USA nutzte die Stadt Kansas Daten, um Wohnungsinspektionen zu priorisieren — die Inspektionszeiten sanken auf ein Elftel, die Ergebnisse für Bürgerinnen und Bürger verbesserten sich deutlich. (Harvard Ash Center)

(3) Mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz

Es gibt zahlreiche datengetriebene Lösungen, um den Austausch zwischen Regierung und Öffentlichkeit zu stärken. So nutzte die tunesische Regierung Social-Media-Daten als Proxy, um die Wahrnehmung der Bevölkerung zu messen — günstiger und regelmäßiger als klassische Haushaltsbefragungen.

Ein weiteres Beispiel kommt aus Mexiko: Die Plattform Mejora Tu Escuela (Verbessere deine Schule) stellt Leistungsdaten von Schulen bereit — damit Eltern fundiert entscheiden können, welche Schule passt, und sich aktiv an Verbesserungen beteiligen. Das ist nur einer von vielen Open-Data-Use-Cases, die im Webinar vorgestellt werden.

Best Practices für Datendemokratisierung in Behörden

Datendemokratisierung in Behörden gelingt nur mit gemeinsamer Kraftanstrengung. Alex gab wertvolle Tipps für den Einstieg und die langfristige Verankerung. Kurz gesagt: Es geht darum, Menschen mit Selbstvertrauen, Lernangeboten, Tools, Kompetenzen und Datenzugang zu befähigen — und so eine Datenkultur zu schaffen, die bessere Ergebnisse treibt.

Konkret braucht es Hebel über Infrastruktur, Menschen, Tools, Organisation und Prozesse hinweg. Am Ende sind die Menschen in den Behörden der entscheidende Faktor — sie sind die stärkste Triebfeder für eine Datendemokratisierung von unten nach oben. Beschleunigen lässt sich das, indem du ihre Kompetenzen und ihr Selbstvertrauen konsequent stärkst und engagierte Kolleginnen und Kollegen als Treiber der Transformation gewinnst.

Wenn du mehr darüber erfahren willst, welche Schritte Behörden gehen können, um Data Science zu demokratisieren, sieh dir die komplette Webinar-Aufzeichnung an.

Themen
Datenwissenschaft